Donnerstag, 4. Dezember 2014

Ärztetour...und wie fängt man überhaupt an?


Nachdem klar war dass ich den Weg in den richtigen Körper endlich starte, fing natürlich die Suche nach den passenden Ärzten an.
Auch die Frage wie ich überhaupt anfangen muss, musste beantwortet werden. Da habe ich aber viel im Internet recherchiert und die dgti (deutsche Gesellschaft für Transsexualität und Intersexualität) kennen gelernt. Hier habe ich eigentlich alle relevanten Infos bekommen und konnte mich in dem Forum austauschen.
Ich versuche euch erst einmal einen kleinen Überblick zu geben. 
Grundsätzlich muss man unterscheiden, zwischen den medizinischen und rechtlichen Schritten.
Medizinisch betrachtet strebe ich die Hormontherapie mit Testosteron an. Durch das Testo wird sich der Körperbau, Gesichtszüge und Stimme vermännlichen. Um die Hormontherapie zu starten, benötige ich ein Indikationsschreiben von einem Psychiater, eine gynäkologische Stellungnahme zum physischen Befund und Hormonstatus und eine Begutachtung vom Humangenetiker zwecks Erstellung eines Karyogramms, um festzustellen welchem Genotyp ich entspreche. Mit dem Indikationsschreiben kann ich mich dann an einen Endokrinologen wenden. Dieser kann dann die gegengeschlechtliche Hormontherapie einleiten.
Hört sich eigentlich ziemlich einfach an... Eigentlich!
Zu Beginn heißt es einen passenden Psychiater zu finden. Denn die wenigsten haben Erfahrungen in diesem Bereich. Ich habe einen in Münster gefunden. Nach ungefähr 6 Sitzungen a´50 Minuten wird er das Indikationsschreiben ausstellen. Ich bin jetzt bei 5 Sitzungen, kann also nicht mehr lange dauern :) 
Wahrscheinlich kann ich nicht wirklich objektiv beurteilen, ob diese Sitzungen wirklich sinnvoll sind. Ich sehe zwar ein, dass psychiatrisch abgeklärt werden muss, ob anderweitige psychische Erkrankungen vorliegen, die mit dem Wunsch einhergehen würden das Geschlecht zu ändern. Aber ob es nötig ist, dafür die ganze Lebensgeschichte hoch und runter zu analysieren, halte ich für fragwürdig. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu ungeduldig und kann einfach nicht verstehen warum man mich länger als nötig davon abhält den richtigen Körper zu bekommen. Trotzdem muss ich sagen, werde ich sehr professionell und empathisch von diesem Arzt betreut. 
In Oberhausen habe ich am Humangenetischen Institut ein Karyogramm erstellen lassen. Denn theoretisch bestand die Möglichkeit dass ich ein XY Satz habe, also genetisch betrachtet männlich bin. War aber leider nicht der Fall. Normaler XX Satz.
Hört sich eigentlich immer noch relativ einfach an. Aber es kostet einfach alles Zeit und Geduld. Vor allem befinden die Ärzte sich nicht gerade im Nachbardorf. Gynäkologe in Dortmund, Psychiater in Münster, Humangenetiker in Oberhausen, Chirurg in Hamburg, Endokrinologe in Düsseldorf. Kostet zuletzt auch jede Menge Sprit ;) Und das sind bis auf den Chirurgen auch schon die Ärzte mit der geringsten Distanz zu meinem Wohnort.

Nach min. sechs Monaten Hormontherapie kann ich die Brust OP in Angriff nehmen. 
Um diese aber von der Krankenkasse bewilligt zu bekommen, benötige ich eine positive Begutachtung des MDK, eine psychiatrische Stellungnahme, eine Stellungnahme des Chirurgen, einen erfolgreichen Alltagstest und eine Bestätigung, dass ich mindestens 18 Monate Psychotherapie gemacht habe. Den letzten Punkt empfinde ich eher als lästige Pflicht nicht als eine Unterstützung. Denn ich bin mir nicht wirklich im Klaren darüber, was in dieser Zeit, es sind schließlich 1 1/2 Jahre, therapiert  werden soll. Die Begründung liegt in möglicherweise auftretenden Konflikten. Kann ich grundsätzlich auch nachvollziehen. Allerdings tue ich mich schwer mit dem Gedanken dazu gezwungen zu werden. Denn, keine Psychotherapie bedeutet keine OP. 
Dann muss man damit rechnen, dass die Kostenübernahme erst einmal abgelehnt wird. 
Nach dem Widerspruch wird die Kostenübernahme meistens direkt bewilligt.
Das kostet aber natürlich alles wieder Zeit.
Ich habe mich dafür entschieden, parallel zur Brust OP, die Gebärmutter und Eierstöcke entfernen zu lassen. Langfristig müssen diese eh entnommen werden, da das Tumorrisiko durch das Testosteron zu hoch wäre.
Das bedeutet natürlich auch, dass ich niemals eigene Kinder bekommen werde. Das finde ich schon traurig. Aber in diesem Fall setze ich Prioritäten. Ich könnte mich nie als Mutter fühlen, denn ich bin keine Frau.
Ich hatte eine Zeit lang überlegt, mir Eizellen entnehmen und konservieren zu lassen. Allerdings ist eine Leihmutterschaft in Deutschland illegal und auch im Ausland erstens sehr kostspielig und zweitens riskant. Denn hier in Deutschland ist diejenige die Mutter, die das Kind ausgetragen hat. Im Ausland ist die genetische Mutter die rechtliche Mutter. Im schlimmsten Fall landet das Kind in einem Kinderheim im Ausland. Das Kind zu adoptieren ist nur dann möglich wenn die Leihmutter nicht verheiratet ist und mein Partner(in) das Kind adoptieren würde.
Die Vorstellung war mir dann doch zu suspekt und unethisch. 
So schaut meine Planung für die nächste Zeit aus. 

Dann gibt es noch die rechtliche Seite. Um ganz und gar als Mann anerkannt zu werden strebe ich die Vornamens- und Personenstandsänderung an. Grundsätzlich wird jedem selbst überlassen was er ändern möchte oder auch nicht. Ich möchte, dass alle Dokumente, einschließlich Geburtsurkunde geändert werden. Dazu ist die Personenstandsänderung notwendig. Wenn diese rechtskräftig ist, wird keiner mehr feststellen können, dass ich, amtlich gesehen, in einem anderen biologischen Geschlecht geboren wurde.
Mir ist das wichtig, weil dann z.B auch die Zeugnisse geändert werden. Wenn ich mich dann bewerbe gibt es keine Probleme und Missverständnisse.
Den Prozess der Vornamens- und Personenstandsänderung hätte ich mir vorher auch einfacher vorgestellt.
Zuerst muss ein Antrag beim zuständigen Amtsgericht gestellt werden. Dazu muss ein sogenannter „transsexueller Lebenslauf“ geschrieben werden. Diese berufen, soweit man es nicht selbst getan hat, zwei unabhängige Gutachter. Diese müssen jeweils ein Gutachten erstellen, welches besagt, dass der Betreffende seit länger als drei Jahren der Überzeugung ist, im falschen Geschlecht zu leben und dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass sich das nicht mehr ändern wird. Den genauen Wortlaut weiß ich gerade nicht, aber im Groben geht es darum. Dann muss das Geld für die Gutachten an das Amtsgericht überwiesen werden. In meinem Fall waren es 1500 Euro als Vorschussleistung. Wenn ich Glück habe, kommt nicht mehr dazu.
Wie das Gutachten verlaufen ist, schreibe ich noch im nächsten Post...






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